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[Original] Rock Hard: Nightwish - Ein finnischer Rosenkrieg (2006-06) - Interviews

Ein finnischer Rosenkrieg

Ein halbes Jahr ist seit dem Split von Nightwish und Tarja Turunen vergangen. Der mediale Wirbelsturm, den die Trennung kurz nach der ‚Once Upon A Tour 2004 – 2005’-Abschluss-Show in Helsinki verursachte, hat sich wieder gelegt. Rock Hard traf Band-Kopf Tuomas Holopainen exklusiv in seinem Heimatland, um mit ihm über die nächste Sängerin, ein neues Album und die ‚End of an era’-DVD zu reden.

Es ist Mitte April. Während in Deutschland langsam der Frühling einkehrt, dämmert Helsinki bei Temperaturen um den Gefrierpunkt noch im Winterschlaf. Es scheint, als würde man während des zweistündigen Fluges in die kalte Jahreszeit zurückreisen. Die finnische Südküste ist komplett zugefroren, die zahlreichen Seen des Landes blitzen mit eisiger Decke im Sonnenschein und über den braunen Tannenwäldern liegt eine feine Schicht aus puderigem Schnee.
Die Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt führt vorbei an der Hartwall-Arena, wo Nightwish am 21.Oktober letzten Jahres nach der Abschiedsshow der ‚Once’-Tour ihre Sängerin Tarja Turunen feuerten, und dem Hotel, in dem Band-Chef Tuomas Holopainen schlaflose Nächte verbrachte, bevor er seiner langjährigen Kollegin per Brief den Rausschmiss aus der Band mitteilte.
Ziel der Reise ist die kleine Management-Firma King Foo Entertainment, die sich um die geschäftlichen und organisatorischen Belange von Nightwish kümmert und deren Büroräume im Herzen Helsinkis liegen. Als ich an der Haustür klingele, öffnet ein gut gelaunter Tuomas Holopainen. Vom Stress der letzten Monate ist dem Keyboarder wenig anzumerken. Er wirkt entspannt und scherzt mit Bandmanager Ewo Rytkönen, der vor einer Wand mit unzähligen Nightwish-Tour- und Konzertpässen steht.
Das gemütliche Sechs-Mann-Unternehmen ist voll gestopft und dekoriert mit Postern, Konzertickets und Merchandise-Kisten von Amorphis, Finntroll, Sonata Arctica und Timo Rautiainen, deren Business-Angelegenheiten ebenfalls von hier gesteuert werden. Optischer Mittelpunkt der kleinen Firma sind aber eindeutig Nightwish. Überall hängen Gold- und Platin-Auszeichnungen, Bandfotos und Urkunden. Kitschige Awards drängeln sich auf Büroschränken und in Regalen neben umrahmten Tourankündigungen und Kreditkarten, die das noch mit Tarja vereinte Quintett zeigen. Im Hintergrund schmettert eine zarte Frauenstimme Europe’s schmalzige Rockballade ‚Carrie’.
„Das ist eine unserer zahlreichen Bewerberinnen für den vakanten Posten hinter dem Mikro. Die sind alleine heute in der Post gewesen.“, grinst Ewo und zeigt auf einen Stapel mit 30 Demos. „ich bekomme CDs aus der ganzen Welt. Sogar aus Guatemala und Japan sind schon Bewerbungen eingetrudelt“, ergänzt Tuomas, während er den Stapel nach brauchbarem Material durchforstet. „Wie mag wohl eine Japanerin klingen, wenn sie Finnisch singt? Bestimmt recht seltsam!“
Die nächste Scheibe fährt in den CD-Schacht. Eine unerträglich hohe und gleichzeitg dünne Frauenstimme zirpt Nightwish-Songs. Ewo und Tuomas verziehen das Gesicht. Die akustische Audienz der jungen Dame ist schneller vorbei, als ihr lieb sein dürfte. Als nächstes ist das Demo eines Mädchens zu hören, das auf dem mitgeschickten Foto im Schneidersitz mit einer Akustikgitarre posiert und wehmütig in die Kamera blickt. Der Gesang ist überzeugender als das Gefiepe ihrer Vorgängerin. Dennoch sucht Tuomas schon nach der nächsten Bewerbung.
„Ich höre in jedes Demo sofort rein“, erzählt der 29jährige, während er ein abgerissenes Kalenderblatt auseinander faltet, das einer CD beigelegt ist. Zum Vorschein kommt ‚Miss April’, die mit laszivem Augenaufschlag und nur spärlich mit einem Bikini bekleidet auf allen Vieren an einem Fellsstrand entlangrobbt. Tuomas lächelt und lässt sich für unser Interview in einem kleinen Besprechungszimmer neben Ewos Büro nieder.

*Tuomas, das letzte Mal gesehen haben wir uns auf der Party, die zu Ehren von Nightwish am Abend nach eurem Konzert in der Hartwall-Arena stattfand und bei der du die Trennung von Tarja bekannt gegeben hast. Wie ist es dir in der Zeit danach ergangen?*
- Zunächst mal habe ich den Medien unzählige Fragen zu unserem Split beantwortet. Und dann habe ich mich in die Arbeit geschmissen. Das war wie eine Therapie für mich. Innerhalb von nur drei Monaten habe ich 15 neue Songs geschrieben. Das ist rekordverdächtig. Auf die Trennung folgte eine unheimlich emotionale Zeit, die mich sehr inspiriert hat. Ich war glücklich, mich in meine Arbeit und Musik flüchten zu können.

*Hast du dich mit anderen Bands über den Split unterhalten? Mit einigen finnischen Musikern bist du doch sehr gut befreundet.*
- Nein, nicht wirklich. Es scheint zwar jeder eine Meinung zu der Sache zu haben, aber die will ich gar nicht hören. Meine Gesprächspartner, mit denen ich mich über das, was vorgefallen war, austauschen konnte, waren die Jungs aus der Band. Ansonsten hatte ich keine sonderliche Lust, über den Split zu sprechen.

*Viele konnten deine Gründe, Tarja rauszuschmeißen, nachvollziehen. Die Art, wie du die Sache durchgezogen hast, wurde allerdings kritisiert. Sowohl Fans als auch Medien waren der Meinung, du hättest die Sache erstmal unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit Tarja klären sollen.*
- Tarja hatte den Brief bereits zwei Tage, bevor ich damit an die Öffentlichkeit gegangen bin. Außerdem machen es sich die Meiden sehr leicht, wenn sie sich großmäulig beschweren, wir hätten einen anderen Weg gehen sollen. Es gab viele Details, die die Öffentlichkeit auch heute noch nicht weiß, die uns damals zu dieser Entscheidung getrieben haben. Ich bin auch heute noch der Meinung, dass wir das einzig Richtige getan haben.

*Hast du seit dem Split mit Tarja gesprochen?*
- Kein einziges Wort.

*Wie kommuniziert ihr denn momentan? Es gibt doch sicherlich viele geschäftliche Angelegenheiten zu klären.*
- Unsere Manager regeln das untereinander.

*Tarja erhielt nach dem Split viele beleidigende Briefe und Drohungen. Erging es dir genauso?*
- Ich habe in den letzten Monaten viele Briefe bekommen, bei denen man zwischen den Zeilen lesen konnte, dass ich den Verfassern besser nicht alleine in einer dunklen Straße begegnen sollte. Das sind vermutlich fanatische Tarja-Fans oder extreme Feministinnen. Mit diesen Reaktionen habe ich aber gerechnet.“

*Und das steckst du einfach so weg?*
- Nein, ganz und gar nicht. Solche Briefe beschäftigen mich sehr.

*Worüber beschweren sich die Leute denn am meisten?*
- Über die Art, wie wir uns von Tarja getrennt haben. Sehr oft höre ich aber auch, dass wir ohne sie nicht existieren können, dass sie das Herz der Band war und wir mit dem Split kommerziellen wie spirituellen Selbstmord begangen haben.
Ziemlich verrückt waren auch die Reaktionen einiger religiöser Gruppen. Extreme Christen versuchten, mich zu bekehren, weil ich angeblich schwer gesündigt hatte. Ich sollte ihrer Kirche beitreten, um von meinen bösen Geistern befreit zu werden. An Weihnachten schickten sie mir sogar ein Jesus-Video, das mich auf den richtigen Weg bringen sollte. Auch Scientologen traten an mich heran und boten mir ihre Hilfe an. Inzwischen kann ich darüber lachen, aber anfangs waren mir diese Leute ziemlich unheimlich.

*Wie reagierst du denn auf Tarjas Ehemann und Manager Marcelo, der die Fans momentan auf ww.tarjaturunen.com aufruft, ihm Fragen zum Split zu mailen?*
- Das ist mir egal. Der kann machen, was er will.

*In einer neuen Fotosession post du mit zwei Frauen. Kannst du inzwischen über das ganze Theater lachen?*
- Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich mit dem Split ein Monster geschaffen habe, das momentan ein Eigenleben entfaltet. Die Sache gerät zum teil echt außer Kontrolle.

*Manche Stimmen reden sogar von einem finnischen Rosenkrieg.*
- Das nervt mich auch total. Der Split ist längst zu einer öffentlichen Seifenoper geworden. Mir wäre es lieber, die Leute würden bei dem Namen Nightwish an gute Musik denken – und nicht an lächerliche Streitereien.

*Leider wird aber momentan eure Musik von Streitereien überschattet. Marcelo will die Veröffentlichung der ‚End of an era’-DVD auf dem finnischen Markt blockieren, indem er Tarja den dafür nötigen Freigabevertrag nicht unterschreiben lässt, wenn ihr euch nicht schriftlich dazu verpflichtet, in der Öffentlichkeit kein Wort mehr über ihn und seine Frau zu verlieren, Für jeden Vertragsbruch will er euch eine Konventionalstrafe von 250.000 Euro aufbrummen.*
- Es gibt momentan einen großen Streit bezüglich der Rechte. Mehr kann ich dazu nicht sagen, weil sich mein Manager um diese Angelegenheit kümmert.
Tarja erzählte, dass sie auf Knien betteln musste, um etwas von der DVD zu sehen. Dabei hat sie bis zum heutigen Tag nie danach gefragt. Natürlich hätte sie die DVD sehen können. Ich habe keine Ahnung, was das schon wieder sollte. Vielleicht war es erneut ein Mangel an Kommunikation (lacht bitter).

*Was ist das eigentlich für eine Puppe, die man bei der Abschluss-Show an deine Keyboard hängen sieht?*
- Das ist Johnny Depp in seiner Rolle als Jack Sparrow in dem Film ‚Fluch der Karibik’. Man hat mir schon oft gesagt, dass ich auf der Bühne aussehe wie er. Deswegen habe ich mir die Puppe gekauft.

*Gab es für dich jemals die Option, Nightwish nur mit Marco als Sänger weiterleben zu lassen?*
- Nein, nie! Nightwish sind eine Band mit einer Frontfrau. Das würde ich niemals ändern.

*Wann hast du die ersten Demos mit Bewerbungen um den vakanten Posten hinter dem Mikro erhalten?*
- Das erste Demo hatte ich bereits einen Tag, nachdem ich den Brief ins Netz gestellt hatte, in der Post. Bisher sind ca. 400 Bewerbungen bei mir eingegangen. Die meisten kommen aus Finnland, Skandinavien und Deutschland. Ich bin noch immer über die Menge der Einsendungen überrascht. Ich hätte nie gedacht, dass sich so viele Frauen trauen, in die Fußstapfen von Tarja zu treten.

*Haben sich auch bekannte Sängerinnen um den Posten beworben?*
- Es gab einige bekannte Namen, aber die darf ich nicht nennen.

*Es gab Gerüchte, dass Liv Kristine oder Lady Angellyca, die Sängerin der spanischen Gothic-Metal-Band Forever Slave, Tarjas Job übernehmen werden.*
- Die Sache mit Liv Kristine war eine reine Erfindung der Medien. Sie wurde schon kurz nach dem Abschlussgig auf dem Titel der größten finnischen Tageszeitung als nächste Sängerin angekündigt. Von dieser Lady Angellyca habe ich irgendwann mal was gehört, aber ich kann mich nicht mehr erinnern.

*Gab es denn auch Bewerbungen mit unmoralischen Angeboten?*
- Nein. Ich habe fast nur ernsthafte Bewerbungen bekommen.

*So ernsthaft wie die Bewerbung von ‚Miss April’?*
- Na ja, diese Mädchen sind halt stolz auf das, was sie zu bieten haben. Das ist doch okay.

*Hast du keine Angst, dass – egal, wie sorgfältig ihr eure Entscheidung trefft – die Fans eure neue Sängerin nicht akzeptieren?*
- Ich weiß, dass es da draußen eine ganze Menge Leute gibt, die die neue Sängerin nie akzeptieren werden – egal wie talentiert und charismatisch sie ist. Unsere neue Frontfrau muss das größte Selbstbewusstsein der Welt mitbringen, denn sie wird den härtesten Job der Welt haben. Jeder wird sich über sie auslassen, und sie wird eine Menge Kritik einstecken müssen. Ehrlich gesagt ist es mir aber egal, ob sich unser nächstes Album 50 000 Mal oder eine Million Mal verkauft. Am wichtigsten ist, dass wir uns mit unserer neuen Sängerin verstehen und wieder ein ganz normales Bandleben führen können, wie wir es früher einmal getan haben.

*Welche Fehler hast du im Umgang mit Tarja gemacht, die du bei der nächsten Sängerin vermeiden willst?*
- Es ist kein Geheimnis, dass wir von Anfang an zu wenig mit Tarja geredet haben. Wir sollten von Anfang an klären, was einen auf Tournee erwartet, wer der Anführer von Nightwish ist und wie Entscheidungen getroffen werden, damit die Regeln dieser Band von Anfang an klar sind.

*Was wird der erste Rat sein, den du der neuen Sängerin mit auf den Weg gibst?*
- Gib dein Bestes und bleib dir treu! Dann wird die Band immer für dich da sein, in guten wie in schlechten Zeiten.

*Tarja würde dieses Versprechen sicherlich mit kritischen Augen sehen. Schon auf eurer ersten DVD ‚From Wishes To Eternity’ bemerkte sie, dass ihr manchmal freundschaftliche Gesten, aufmunternde Worte und praktische Hilfe von Seiten der Band fehlten.*
- Ich wüsste nicht, was wir hätten besser machen können. Wir haben sie schon in jeder Beziehung entlastet. Sie hatte einen eigenen Manager, musste keine Interviews geben und konnte von den Soundchecks fernbleiben.

*Diese DVD entstand aber lange, bevor Tarja Marcelo zur Seite hatte. Vielleicht hätte sich gar nicht erst so eine große Kluft zwischen euch bilden können, wenn ihr von Anfang an mehr auf ihre Bedürfnisse eingegangen wärt...*
- Natürlich gab es damals Probleme. Mit der Zeit verstanden wir aber, dass Tarja bestimmte Bedürfnisse hatte, und wir versuchten, ihr zu helfen, wo wir konnten. Wir haben anfangs viele Fehler gemacht. Das streite ich gar nicht ab. Aber letztendlich darf man die Sache auch nicht nur von einer Seite sehen. Jeder muss einen Schritt auf den anderen zugehen.

*Welche Fehler waren das denn, die ihr gemacht habt?*
- Alltägliche Kleinigkeiten. Wir haben oft zu laut im Tourbus gefeiert, während Tarja versuchte, zu schlafen. Wir hätten viel häufiger versuchen sollen, ihre Sichtweise zu verstehen.

*Verfolgst du Tarjas momentane musikalische Karriere?*
- Nicht wirklich. Manchmal bekomme ich durch Zufall etwas mit.

*Gibt es denn Hoffnung, dass sie eines Tages zu Nightwish zurückkehrt?*
- Das weiß ich nicht. Momentan sind wir von einer Reunion Lichtjahre entfernt.

*Wie sieht es denn mit neuen Songs aus? Eingangs erwähntest du, dass du bereits 5 Stücke geschrieben hast.*
- Im Grunde ist das nächste Nightwish-Album schon fertig. Ich komme gerade von einem Kumpel, der hier in Helsinki wohnt, in dessen Studio wir eine Probeaufnahme der neuen Songs produziert haben. Mit ihrer Hilfe sollen die Jungs in der Band einen Eindruck von den Kompositionen bekommen. Ein richtiges Demo wollen wir im Sommer gemeinsam aufnehmen. Ich hatte schon vor dem Konzert in der Hartwall-Arena ein paar Songideen, aber nach dem Split schrieb ich mit voller Kraft weiter. Zwischen November und März war ich im Grunde nur zu Hause und habe zehn Stunden täglich komponiert. Es gab Wochen, in denen ich keinen einzigen Menschen zu Gesicht bekam und mich maximal hundert Meter vom Haus entfernte. Es ist immer noch eine heikle Sache für mich, in die Öffentlichkeit zu gehen, denn seit dem Split gehöre ich zu den begehrtesten Prominenten in Finnland. Jeder kennt mich. Sogar, wenn ich einfach nur in den Supermarkt gehe, um Milch zu kaufen, tuscheln die Leute und werfen mir verstohlene Blick zu. Eigentlich sollte mich das nicht kümmern, aber ich mache mir dennoch immer Gedanken.“

*Kannst du den Sound der neuen Songs schon beschreiben?*
- Ich denke, dass es viel zu früh ist, um über die neuen Songs zu sprechen. Das nächste Album soll dem Stil und dem Konzept der vorherigen Nightwish-Veröffentlichungen entsprechen. Die Platte wird mit Sicherheit wieder Orchester- und Chor-Elemente, bombastische Sounds und Balladen enthalten. Darüber hinaus plane ich, wieder ein paar Überraschungen einzubauen.

*Wie komponierst du denn den Gesangspart? Du kennst die Stimme deiner zukünftigen Sängerin doch noch gar nicht?*
- Ich stelle mir einfach vor, wie der Gesang bei einem Song klingen könnte. Das funktioniert.

*Dann müsstest du doch eigentlich schon eine ganz bestimmte Stimme im Kopf haben...*
- Nein, nicht wirklich. Das ist ein Neuanfang für Nightwish. Deswegen kann die Stimme auch ganz anders klingen. Die neue Sängerin darf aus jedem Musikgenre kommen. Das letzte, was ich will, ist eine Tarja-Kopie.

*Du erzähltest, dass du beim Songwriting stark von den Erlebnissen der letzten Monate inspiriert worden seiest. Dass würde bedeuten, dass auf die Fans ein sehr emotionales Album zukommt.*
- Im Grunde sind Nightwish-Songs immer eine Art Tagebuch – gefüllt mit Dingen, die ich erlebe. Deswegen wird man die Gefühle, die der Split mich sich brachte, deutlich heraushören können.

*Könnte man aus den Erlebnissen nicht ein Konzeptalbum basteln?*
- Auf keinen Fall. Dafür handeln die Songs von zu unterschiedlichen Dingen.

*Wann werdet ihr denn mit den Albumaufnahmen beginnen?*
- Zunächst mal werden wir uns im Juni und Juli in einem großen Haus einschließen, um ein Demo aufzunehmen. Im September wollen wir dann mit der Crew, die uns auch schon bei ‚Once’ zur Seite stand, ins Studio gehen. Ich vermute, dass wir es nicht schaffen werden, die Platte Anfang 2007 auf den Markt zu bringen. Erstmal müssen wir eine neue Sängerin finden. Das braucht Zeit. Diesbezüglich werde ich keine Kompromisse eingehen.

*In der Zwischenzeit kann man sich mit dem Bandhistory-Buch ‚Nightwish’, das in diesen Tagen in Finnland auf den Markt kommt und Ende des Jahres auch als deutsche Übersetzung erscheinen soll, die Zeit vertreiben.*
- Fälscherlicherweise denken viele Leute, dass das Buch von mir veröffentlicht wurde. In Wirklichkeit ist es aber von Mape Ollila, einem finnischen Musikjournalisten, der unsere Karriere von Anfang an verfolgt hat. Ich bin nur eine von vielen Personen, die er im Laufe der Jahre interviewt hat.

*Wo beginnt das Buch zeitlich, und wo endet es?*
- Es beginnt mit unserer Kindheit. Maße hat meine ganze Familie zu meiner Jugend interviewt. Dann gibt es einen inhaltlichen Sprung zu den Anfängen von Nightwish. Die History endet mit der Show in der Hartwall-Arena. Es ist ein sehr emotionales Buch. Beim Lesen musste ich abwechselnd lachen und weinen. Manchmal habe ich mich auch in Grund und Boden geschämt. Viele Leute erhoffen sich von diesem Werk dramatische Enthüllungen und schockierende Fakten. Aber die gibt es nicht. Natürlich geht es auch um die Probleme der letzten Jahre, aber das ist nur ein kleiner Teil. Dieses Buch vermittelt einen objektiven Eindruck davon, wie wir wirklich sind.

*Das klingt ja so, als würdet ihr von der Öffentlichkeit missverstanden.*
- Viele Leute bemerken, wenn sie mich zum ersten Mal persönlich kennen lernen, erstaunt, dass ich ein ganz netter Typ bin. In der Öffentlichkeit wirke ich anscheinend ganz anders. Ich werde für einen arroganten Snob gehalten, weil ich mich bei offiziellen Anlässen meist zurückhalte, rauchend in der Ecke stehe und meine Mitmenschen mustere. Das tue ich aber nicht, weil ich mir zu fein für Konversationen bin, sondern weil ich mich bei solchen Veranstaltungen immer furchtbar unwohl fühle. Ich bin sehr schüchtern und suche deswegen nicht die Nähe von Fremden.

*Dann muss die Party, die am Abend nach der Abschiedsshow stattfand, ja auch unter dem Aspekt der totale Horror für dich gewesen sein.*
- Das war furchtbar. Ich wäre am liebsten sofort geflüchtet. An diesem Abend hatte ich alles andere als große Lust, ein fröhliches Gesicht aufzusetzen. Ich spiele meiner Umwelt nie etwas vor. Dabei sollte ich das manchmal besser.

*Findest du es denn wichtig, den Leuten hin und wieder etwas vorzuspielen?*
- Manchmal sollte ich fremden Menschen gegenüber ein wenig offener sein. Dann würde mir der Besuch von Galas und Feierlichkeiten mit vielen Prominenten ein wenig leichter fallen. Diese Veranstaltungen hass eich nämlich aus tiefstem Herzen.

*Dann waren die Emma-Verleihungen im März, bei denen ihr Preise in den Kategorien ‚Bester finnischer Künstler 2005’ und ‚Meistverkauftes Album 2005’ gewonnen habt, sicherlich auch ein Spießrutenlauf für dich.*
- Marco hat die Band vertreten, weil ich zu dem Zeitpunkt im Urlaub war. Die Auszeichnung in der Kategorie ‚Bester finnischer Künstler 2005’ ist für mich der wichtigste Preis, den wir je bekommen haben, weil er vom Publikum vergeben wird und zeigt, dass die Leute nach allem, was passiert ist, immer noch hinter uns stehen. Das hat mir sehr viel Hoffnung für die Zukunft von Nightwish gemacht.
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Schon gewusst?
- Tuomas lässt sich für seine eigenen Kompositionen gerne von Filmmusik inspirieren. Momentan rotieren die Soundtracks von ‚Narnia’, ‚Brothers Grimm’ und ‚Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche’ regelmäßig in seinem CD-Player
- Tony von Sonata Arctica ist ein guter Freund von Tuomas. In ihrer Freizeit gehen die beiden gerne zusammen angeln und verbringen Zeit in Tuomas’ Sommerhütte
- Obwohl Tuomas Ende des Jahres bereits 30 wird, lebt er noch bei seinen Eltern. Allerdings sind die Tage in seinem alten Kinderzimmer gezählt, denn bis zum Herbst soll sein eigenes Haus stehen, das er momentan in Kitee bauen lässt. Wohnen wird Finnlands begehrtester Junggeselle dort mit einer riesigen Disney-Sammlung, für die sogar ein eigenes Zimmer eingerichtet werden soll.
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Die ‚End Of An Era’-DVD

Nach ‚From Wishes To Enternity’ (2001) und ‘End Of Innocence’ (2003) legen Nightwish mit ‘End Of An Era’ die dritte DVD ihrer Karriere vor. Herzstück der Scheibe ist das rund zweistündige Abschlusskonzert der ‘Once’-Tournee, das am 21.Oktober 2005 vor 11.000 Fans in Helsinkis Hartwall-Arena stattfand und gleichzeitig der letzte Auftritt mit Tarja Turunen war, die wenige Stunden nach dem Gig von Band-Boss Tuomas Holopainen gefeuert wurde. Noch einmal erlebt der Zuschauer in glasklarer Soundqualität (wahlweise 5.1.-Surround- oder 2.0.-Stereo-Ton), wie das finnische Quintett zwischen imposanten Bühnen-Bauten, Pyro-Explosionen, Feuerfontänen und buntem Flitter-Regen den spektakulärsten Auftritt seiner Karriere hinlegt und Tarja Turunen in unzähligen Bühnenoutfits ihre Anhänger verzaubert. Dabei ist nicht nur die Setlist, die u.a. mit ‚Nemo’, ‚Bless The Child’, ‚Wish I Had An Angel’, ‚Wishmaster’, ‚Sleeping Sun’, den Coverversionen von Pink Floyds ‚High Hopes’ und Gary Moores ‚Over The Hills And Far Away’ sowie dem von John Two-Hawks vorgetragenen ‚Creek mary’s Blood’ die größten Hits aus der fast zehnjährigen Bandkarriere enthält, vom Feinsten. Auch die mal farbenprächtig-kitschigen, mal düster-benebelnden Videoprojektionen, die auf der DVD zum Teil mit den realen Bildern zu einer surrealen Illusion verschmelzen, verstärken den Gänsehautcharakter der atmosphärischen Performance.
Als Bonusfeatures gibt es eine Fotogallerie von der Show und eine 55-minütige, in Einzelkapitel unterteilte Dokumentation mit dem Namen ‚A Day Before Tommorow’, die von Timo Halo gedreht wurde, der bereits an den letzten beiden DVDs mitwirkte. Der Band-Intimus begleitete Nightwish während der letzten zwei Tozrwochen vor dem Abschlusskonzert und war u.a. dabei, als die Platin-Stars am 6.Oktober in Mexico-City landeten, von den Südamerikanern in Sao Paulo und Porto Alegre gefeiert wurden und zehn Tage später wieder nach Europa zurückflogen, um sich zwischen Fantreffen, Pressekonferenzen und Proben auf die letzte Show in einem einzigartigen Line-up vorzubereiten.
Erhältlich ist ‚End Of An Era’ ab dem 2.Juni als DVD, Doppel-Audio-CD im Digi–Pack oder Special Edition mit DVD und Doppel-Audio-CD im Digi-Pack.

added by Lonnie on 17.05.06article also available in:  | printer friendly version

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