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[Translation] imperiumi.net: Nightwish (Anette) (2007-05-30) - Interviews

Übersetzung von Thaddeus


Die neue Nightwish-Sängerin schlägt ihre Beine übereinander und macht es sich in der Sofaecke im Saunabereich des Petrax Studios gemütlich.
Die Sängerin, gerade dabei in ein gemütliches Paar Schuhe zu schlüpfen, kaut genüsslich Erdnüsse. Vor dem Interview will sie wissen, ob das Interview als Sound File veröffentlicht wird, oder sie während des Gesprächs weiteressen kann.

Ich verspreche ihr das ihre "Erdnussvernichtungsgeräusche" nicht zu hören sein werden und da sie jemand ist den ich zum ersten mal treffe, konnte ich noch nichtmal irgendwas vorbereiten, also forderte ich die Dame, die wie ein Staatsgeheimnis vor der Öffentlichkeit versteckt wurde, dazu auf mir einfach alles über sich zu erzählen.

In erstaunlich gutem Englisch sprudelt es geradezu aus der lebhaften Sängerin heraus...

„Ich bin Anette aus Helsingborg, Schweden. Ich singe bereits mein ganzes Leben und wurde in eine Musikerfamilie geboren, in der wirklich jeder – mütterlicherseits – als Musiker gearbeitet hat.
Meine Kindheit bestand auf Instrumenten, Spiel und Gesang. Da meine Mutter ebenfalls singt, bin ich bereits in frühester Kindheit mit meinen Eltern im Tourbus unterwegs gewesen. Mit 13 sang ich zum ersten mal in einer Band.
Richtig ernst wurde die Sache als ich an Gesangs-Talentwettbewerben teilnahm. Ich denke ich war 12 Jahre alt. Vorher habe ich in der Band meiner Mutter gesungen, aber erst ab diesem Alter habe ich ernsthaft in Talent-Shows mitgemacht.

Als ich ungefähr 16 war, gründete ich meine erste Cover Band mit einigen älteren Jungs, die damals schon Mitte 20 waren. In Südschweden oder Dänemark hatten wir praktisch jedes Wochenende ein Konzert.
Wir haben alles mögliche gespielt... Von Roxette bis CCR.. „Cocaine“ von Eric Clapton - jede Menge seltsames Zeug.
Und diese Gruppe hat es ziemlich lange miteinander ausgehalten.

Dann heiratete meine Mutter zum Zweiten Mal seit 10 Jahren. Ihr neuer Mann hatte einen Sohn namens Niklas. Ich machte mich daran ein paar Background Vocals für die Demo seiner Band beizusteuern. Damals war ich Siebzehn.

Diese Band hiess Alyson Avenue. Die Jungs waren so beeindruckt von meiner Stimme das sie mich fragten ob ich mich nicht anschließen möchte.

Zunächst hatte die Band auch einen männlichen Frontmann, der später rausgeschmissen wurde und ich die volle Kontrolle am Mikro hatte.
Ich denke das war 1989. Von diesem Zeitpunkt an rockte Alyson Avenue, bis die Sache vor ungefähr 2 Jahre abkühlte.“


Alyson Avenue brachte zwei Alben heraus, „Presence of Mind“ (2000) und „Omega“ (2004). Anette merkt an, das es wohl auch ein drittes gegeben hätte, aber sich die ganze Sache für sie nicht mehr richtig anfühlte. Auf der MySpace Seite der Band sind 2 Songs von der Demo des Dritten Albums zu hören.

“Als wir mit Alyson starteten war die Musik OK. Niklas schrieb die Songs genau wie Tuomas bei Nightwish.

Wir probten gemeinsam, genau wie jede andere Band, und später traten wir ebenso mit unserer Musik auf. Es machte Spaß. Aber in späteren Jahren, als wir einen Plattenvertrag hatten wurde das Ganze irgendwie zu einem „Projekt“.
Keiner der Jungs wollte touren und Gigs spielen, sie kritisierten einfach alles:
Die Songs waren nicht gut genug usw. Mit anderen Worten: Die Jungs der Band wollten niemals Profi-Musiker werden. Es gab viele Momente wie diese und ich hatte keine Geduld mehr für so etwas. Wir kamen immer mal wieder zusammen, aber ich fand meinen eigenen Musikstil nicht mehr bei Alyson.“


Mit 21 sang Anette Olzon den Hauptpart in der Rockoper in Helsingborg und es war ne ziemlich große Sache in den Lokalnachrichten.
Die 35 Jahre alte Sängerin studierte Musical Arts in der Gothenburg Ballet Academy und nahm Stunden in der Kopenhagener Music Conservatory, Helsingör und Malmö.
Die vielfältig begabte Anette sang ebenso bereits in einer Big Band; einigen Gospel Chören und trat häufig in Kirchen; zu Hochzeiten und auch zu Beerdigungen auf.
Lampenfieber? Fehlanzeige.

„In Göteborg gibt es auch eine große ABBA-Band namens Arrival bei denen ich mal einsprang. Mit denen habe ich schon Auftritte vor großem Publikum, zum Beispiel vor 7000 Leuten in Oslo’s Spectrum, hingelegt.“

Anette, Schwedischer Spitzname „Nettan“, spielte die Rolle der Agnetha Fältskog in ihren ABBA-Tagen.
Um ihren recht langen Lebenslauf zu vervollständigen, sang sie ebenso die Background Vocals für ein Album der Metalband Cloudscape („Crimson Skies“ (2005), Metal Heaven) sowie ein Duett mit dem Deutschen Sänger Michael Bormann, dem Ex-Sänger von Jades Heart (singt nun bei Bloodbound).

Anette gluckst: „Um es kurz zu fassen: Das dürften die wichtigsten Stationen gewesen sein"

Übrigens hörte Anette die Musik ihres derzeitigen Arbeitgebers, Nightwish, zum ersten Mal gerade mal 2 Monate bevor ihre Vorgängerin ihren Posten räumen musste. Und das auch nur weil ihre Nichte ein großer Fan der Band ist.

„Ich hörte die CD meiner Nichte bloß aus Neugierde und ich mochte sie sehr. Zwei Monate später wurde Tarja gefeuert.
Zunächst überlegte ich ob ich ihnen eine Demo schicken sollte, obwohl ich nicht opernartig singen kann. Aber dann dachte ich „Ach, ich fall doch eh durch“. Doch der Sound Techniker von Arrival meinte: „Aber du musst denen diese Demo schicken. Sofort!“
Nachdem er mich eine Weile beackert hatte fragte ich schließlich Niklas und den Gitarristen von Cloudscape ob sie mir dabei helfen könnten „Everdream“ aufzunehmen.
Wir spielten den Song an einem Tag ein und schickten ihn ab.
Ich bekam praktisch umgehend die E-Mail Rückmeldung von Tuomas. Er mochte meinen Gesang und fragte mich ob ich ihm drei weitere Songs schicken könne. Ich hab sogar „Kuolema Tekee Taiteilijan“ als Bonus gesungen. Ich dachte das die Band ihre Entscheidung schnell treffen würde, also nahm ich dieses zweite Demo in einem Wahnsinnstempo auf.
Ich glaube es war gerade Januar und Tuomas hatte bereits alle Songs die ich aufgenommen hatte.“


Im März gab die Band bekannt, dass sie nach einer neuen Sängerin suchten.

„Ich dachte: „Wow, vielleicht sollte ich mehr Songs einschicken, ich wusste ja nicht wie das lief.“ Also schickte ich Tuomas ne Nachricht und fragte was überhaupt los sei.
Er antwortete und meinte das es ihm leid täte und ich nicht die neue Sängerin werden könnte, auch wenn ich zu den besten gehörte die er bislang gehört hatte. Ich wunderte mich und dachte das es vielleicht an meinem Alter liegen könnte?“

Natürlich war ich enttäuscht von der Entscheidung aber ich wollte nicht aufgeben.
Dann, im letzten Sommer, bekam ich die Live-DVD von Alyson und ich überlegte ob ich nicht Tuomas fragen sollte ob er sie sehen möchte.
Er wollte, also schickte ich sie ihm, aber ich hörte bis September nichts mehr von ihm bis Ewo mich anrief: „Hi, Ich bin der Manager von Nightwish. Wir würden dir gerne ein paar Fragen stellen.“
Natürlich fragten sie mich über das Touring aus, denn ich habe ja eine Familie. Ein Kind. Ich meinte das ich gerne auf Tour gehen würde. Ich bin nicht die typische „Hausfrauen-Mutter“. Das Singen ist mein Leben.“


Ihr Mann ist ziemlich viel unterwegs und häufig sogar für einige Jahre von Zuhause weg.
Als Anette ihren Job bei Nightwish bekam, meinte ihr Mann, das es nun Zeit sei das „Nettan“ ihren Traum lebt und das sie zu Hause schon zurecht kämen.
Aber lassen wir sie fortfahren...

“Dann kam ich nach Finnland. Im E-Major Studio von Kerava probten wir den Gesang.
Als ich zurück nach Schweden kam bekam ich eine SMS indem mir die Jungs mitteilten, das sie mich innerhalb eines Monats wiedersehen möchten.
Ich probte einige Songs und ging abermals für 6 Tage nach Finnland.
Wir machten ein paar Promos und ich besuchte ebenso Tuomas Cottage in Kitee. Sein Vater fragte mich ob ich schon die Verträge mit der Band unterzeichnet hatte. Dann kehrten wir zu weiteren Proben ins Studio zurück.“


Tuomas nimmt nicht einfach jeden mit auf die Insel. Anette hätte schon ahnen können das sie die neue Sängerin wird, aber sie meint das sie sich niemals ganz sicher war das sie es wirklich wird. Wie auch immer, sie schildert das sie und Tuomas sich auf Anhieb bestens verstanden hätten.

„Die ganze Sache fühlte sich gut an und zwar von Anfang an. Und ich mochte die anderen Jungs genauso als ich sie traf. Es ist natürlich sehr wichtig, das ich mich mit den Jungs wohl fühle und gut mit ihnen auskomme. Wir kommen zudem ja noch aus 2 verschiedenen Ländern.
Emppu und ich wurden praktisch sofort sehr gute Freunde und wir schickten uns E-Mails hin und zurück. Mit Ewo bombardierten wir uns gegenseitig mit SMS und dennoch war ich mir immer noch nicht über meine Rolle in der Band im Klaren, denn in den Interviews sprachen sie immer noch von einer „Auswahl mehrerer Möglichkeiten“.

Im Oktober schrieb Tuomas mir das sogar per Mail. Ich wurde langsam ziemlich verzweifelt. Hatten die sich immer noch nicht entschieden? Ich war müde und frustriert vom Warten. Ich hatte bereits seit 1,5 Jahren gewartet!“

Dann, im Januar 2007 klang Emppu irgendwie immer seltsamer, bereits ein paar Wochen bevor ich endlich bescheid wusste. Seine Nachrichten klangen irgendwie so: „Was für ein wunderschöner, wunderschöner Tag, nicht wahr?“

Der Bursche war total komisch. Dann schickte mir Tuomas ne Mail, nur um mir zu sagen das sie gerade ne Party machten und mich vermissen würden.
Dann fragte mich Ewo ob ich mich ihnen auf einen Trip nach Deutschland anschließen würde um mir gemeinsam mit den Jungs einen Tarot Gig anzusehen. Ich hatte so ein Gefühl, das sie mich nicht nach Deutschland mitnehmen würden um ein Tarot Konzert zu besuchen wenn ich nicht... Aber ich war immer noch nicht sicher und so blieb ich vorsichtig.
Meine Freunde und die Familie behandelten das Thema ebenfalls vorsichtig, denn es war noch nichts sicher.“


Am dreissigsten Januar mailte Tuomas Anette um sie zu fragen ob er sie anrufen dürfe.

“Ich sagte ihm das es okay wäre, aber er solle später anrufen da ich sehr beschäftig sei. Tuomas schrieb das er am nächsten Tag anrufen würde und den ganzen Abend und den kommenden Tag dachte ich aufgeregt, ich hätte Hummeln im Hintern.
Emppu fragte mich ob ich einen schönen Tag gehabt hätte und ich fragte mich was er wohl hätte.
Schließlich rief Tuomas an und wir sprachen über den Ausflug nach Deutschland und alles mögliche. Normaler Small Talk. Dann meinte er das er noch über etwas anderes sprechen wollte. Ich dachte nur „Jaaaa?“. Er ärgerte mich damit das ich „es bestimmt schon selber wusste“. Ich versicherte ihm das ich gar nichts wisse. Er redete weiter um den heissen Brei.
Er meinte das er mit den Jungs überlegt hatte das ich in der nahen Zukunft sehr beschäftigt sein werde. Er sagte es dermaßen seltsam das ich immer noch nicht ganz verstand. Ich hab noch nichteinmal geschrieen oder sowas.

Tuomas erklärte mir was nun direkt vor mir lag. Dann rief Ewo an und zu dem Zeitpunkt schrie ich wie ein kleines Mädchen.
Aber trotzdem brauchte es einige Wochen um zu begreifen wie groß diese Sache wirklich war.

Es war ein großer Schock. Wirklich. Natürlich rief ich umgehend meinen Mann und meinen Bruder an, ebenfalls ein Musiker der viel auf Touren rumkommt.
Er war so aufgeregt und fragte mich ständig ob ich wirklich wüsste wo ich mich da hineingebracht hätte. Natürlich redeten wir auch über einige ernsthafte Dinge. „Denk an dieses und jenes“ und „was wäre wenn?“. „Bleib dir selbst treu“ und so weiter".


Die erfrischend natürliche Anette meint zwar das sie es noch nicht begriffen hätte als sie in Deutschland waren, aber nun, nachdem das Album aufgenommen wurde fühlt sie sich immer besser.
Sie meint das sie alt genug sei um den Zirkus zu verstehen in den sie da hineingeraten ist.
Auch wenn sie zugibt das sie leicht geschockt war als ihr bewusst wurde was für eine große Sache Nightwish mittlerweile geworden war.

„In Schweden ist Nightwish keine dieser „Mega Bands“. Die Leute kennen sie zwar, vor allem die Metaller und sie haben auch Goldstatus erreicht, aber im Radio werden sie nicht gespielt. Wir haben noch nichtmal einen Radiosender in Schweden der Metal spielt.
Nun sehe ich was für eine enorm große Band sie wirklich sind, aber ich denke nicht das ich das alles begreifen werden bevor ich nicht mit der Arbeit beginnen kann. Ich freue mich wirklich darauf.“


Nachdem die letztendliche Entscheidung getroffen war begann mit dem Trip nach Deutschland das Versteckspiel der Band.
Sie machten sich daran möglichst unauffällig einige Bühnen Outfits und Promo Picture Accessoires für Anette aus Helsinki und anderen Orten mit Hilfe unterschiedlichster Fahrzeuge zu beschaffen.
„Du nimmst das Taxi, wir kommen mit nem anderen Auto nach!“
Die Promo Bilder wurden zudem in Lettland geschossen, damit das Risiko von finnischen Metalheads aufgegabelt zu werden möglichst gering war.
Einige Teenager liefen vorbei und sorgten für helle Aufregung.
Hielten wirklich alle dicht?

Nun, nach der Offiziellen Bekanntgabe, atmete die Band endlich auf und musste sich nicht länger verstecken. Zudem haben die PR-Leute der Plattenfirmen endlich Ruhe vor den übereiffrigen Journalisten die um Informationen zur neuen Sängerin förmlich bettelten.
Die Einzigen die sich in Ungeduld üben müssen sind die Fans, die es nicht erwarten können das neue Album zu hören.
Die entspanntesten sind mit Sicherheit die alten Besserwisser-Typen die nach dem Hören von Eva im Radio meinten „Das war es nun?“. Keine Bange. Das war’s nicht. Genauso wie Nemo wenig über Once aussagte. Die erste Single eines Nightwish Albums ist schließlich stets der eingängigste Song von dem Album.

Der nächste Termin auf dem Nightwish Kalender sind die Aufnahmen für zwei Promo Videos. Sie werden unter der Aufsicht des Regisseurs Antti Jokinen in Los Angeles abgedreht. Es wird insgesamt drei Singleauskopplungen aus dem neuen Album geben.

Nightwish werden die nächsten 2,5 Jahre auf Tour verbringen und sie verkaufen bereits Tickets für über 200 Konzerte. Die Tour wird im Oktober in den USA starten wo das erste Konzert bereits ausverkauft ist. Sie hofften auf nicht weniger als vier US Touren.
Anscheinend glauben die Band und die Leute drumherum das sie Europa bereits „erobert“ haben und das es nun Zeit wird das Hauptaugenmerk auf den Markt hinter dem großen Teich zu legen. Es gibt also viel zu tun, aber Anette bleibt gelassen.

„Das ist genau das was ich immer wollte. Mein ganzes Leben über war ich frustriert, das ich kein Musikerleben führen konnte. Ich habe einfach nicht meine Musik gefunden. Natürlich mag ich es im Studio zu arbeiten, aber das ist einfach nicht der Ort wo ich wirklich gut bin. Ich liebe es aufzutreten, also habe ich jetzt auch nichts dagegen das es auf Tour geht.“

Meine Familie ist in bewundernswerter Weise mit der Sache umgegangen. Meine Mutter ist professionelle Musikerin und normalerweise nicht die Person die so schnell positives Feedback gibt. Immer wenn ich was gespielt oder gesungen habe, nickte sie zwar anerkennend, merkte am Ende aber trotzdem noch Dinge an die ich anders machen oder ausprobieren solle.
Allerdings hatte ich so auch nie die Gelegenheit zur Hochnäsigkeit und wusste schon immer das Musik harte Arbeit bedeutet. Aber nun ist meine Mutter richtig stolz auf mich und ich denke das sie es bald vielleicht auch zugeben könnte. Ich weiss nicht ob sie wirklich wusste wie gut ich bin bevor sie mich nun bei Nightwish hört und sieht wie vielseitig ich meine Stimme einsetzen muss.

Die Aufnahmen haben großen Spass gemacht. Die Jungs haben mich dazu ermutig zu Schreien bis mir die Lungen rauskamen. Ich fragte ob sie mich wirklich schreien hören wollten.

Sie wollten auch das ich growle und ich tat es ebenfalls für das Album. Ich habe in so vielen verschiedenen Stilen gesungen... Manchmal war ich wirklich verblüfft, aber es hat sich gelohnt.“


Nun, nachdem der ganze Tumult und Streit der letzten Jahres hinter ihnen liegt scheinen Nightwish richtig glücklich zu sein. Die Band könnte nicht zufriedener mit ihrer ausgewählten Sängerin sein.
Es liegt eine neue, relaxte Stimmung über allem was sie anpacken, obwohl das neue Album wohl eine Menge Stress bedeutet.
An einer Stelle gab es den Einwurf, das Anette die Einzige wäre, aus einer Auswahl von 2000 Bewerbern, die auch noch die schwierigsten Songs auf dem Album singen könne.
Anette, andererseits, glaubt das es eine Art höherer Macht war die sie in die Band brachte.

“Weißt du, ich glaube, Karma hat eine ganz große Rolle bei dieser Sache gespielt. Es sollte so passieren. Es hört sich zwar seltsam an, aber als ich Everdream für diese erste Demo sang, da fühlte ich wirklich zum ersten mal meine eigene Stimme, ihre Stärke und ihre Sanftheit.
Ich habe immer schon sehr emotional gesungen. Sogar meine Gesangslehrer meinten ich hätte so eine Traurigkeit in der Stimme und so einen emotionalen Weg mich auszudrücken.
Ich denke das es genau das war was Tuomas suchte. Gefühl.

Die Soundlandschaften die Tuomas aufstellt machen manche der Songs ziemlich schwierig. Sie sind alle schwierig, aber manche von ihnen sind so hart, dass du schon eine erfahrene Sängerin sein musst, um sie zu bewältigen. Ich denke nicht das ich es im Alter von 20 Jahren geschafft hätte sie zu singen.“


Anette rechnete nach eigenen Worten damit das das neue Nightwish Album grandios wird, aber sie konnte sich nicht wirklich vorstellen an was für einem kolossalen Stück Arbeit sie da saßen.

Das kommende Album ist knapp 80 Minuten lang, ein deutlich massiveres Album als Once mit Unterstützung eines Chores, eines Orchesters (mit 66 Musikern), Gesang von 12 jährigen männlichen Sopranisten, ein irisches Dudelsack Oktett, einem Soul Solisten und einem Gospelchor.

Das neue Album wird ein weiteres mal von Pip Williams untermalt. Anette zu Folge ist das neue Album keineswegs ein simpler Abklatsch von Once.

"Das neue Album ist nicht sowas wie "Once 2", es ist etwas komplett neues. Wir haben alle möglichen Sachen ausprobiert, zum Beispiel diesen Horrorfilmsong von Emppu, ein Song, der in jeglicher Hinsicht, in Sachen Melodie, Rhytmus und Lyrics auf Gitarrenspiel ausgerichtet wurde und auch ebenso komponiert ist.
Es ist ein recht steiniger Weg, auf diese Weise einen Song zu machen. Ich hab's selbst versucht. Für mich ist es einfacher mittels Keyboard eine Melodie zu komponieren."


Anette kann ebenfalls spielen. Sie spielte Oboe, brachte sich autodidaktisch das Klavierspielen bei und behauptet das sie auch Gitarre besser spielen könnte, wenn nur ihre Finger nicht so kurz wären.

"Als ich diesen Horrorfilmsong angeprobt habe, klang es bereits ziemlich anders. Als wir nun ins Studio gingen, sagten mir die Jungs: "Vergiss einfach alles was wir bis jetzt gemacht haben, wir ziehen die ganze Sache komplett anders auf." Nur ein paar Tage später war alles nach wie vor in einer experimentellen Phase.
Es hörte sich irgendwie so an als würde "Tim Burton auf Grudge 2" treffen.
Vor allem wenn ich mit dieser Grabesstimme über den "Grudge Spuk" sang. Der Song hat jede Menge von diesem abgefahrenem Ideen aber es hat echt Spass gemacht sie umzusetzen."


Obwohl die Vocal Parts mittlerweile aufgenommen wurden, hatte Anette noch nicht wirklich Zeit die Band richtig kennenzulernen. Sie kommt sehr gut mit Tuomas und Emppu zurecht, aber Marco war viel zu selten zur gleichen Zeit wie sie im Studio, genau wie der immerzu beschäftigte Jukka. Die bisherigen Begegnungen ließen noch keine Wertung zu aber der erste Eindruck unter allen Beteiligten ist gut und Anette denkt nicht, das es in irgendeiner Weise Probleme geben könnte.

Die engste Zusammenarbeit wird sie logischerweise mit Marco haben, aber da sie beide in Sachen Lebens- und Musikerfahrung auf Augenhöhe agieren, wird das wohl ebenfalls problemlos funktionieren.

Tuomas beschreibt Anette - in positiver Weise - als einen "Ultimativ normalen Menschen".
Anette sagt von sich das sie sich als "einer der Jungs" fühlt, weil sie als Kind nicht verdorben wurde und sie stets selbstständig war, wenn ihre Mutter an den Wochenenden ihrer Musik nachging und sie eigenverantwortlich für ihre zwei jüngeren Geschwister zuständig war.

Anette wuchs auf dem Land auf und liebt die Natur, hatte sogar ein Pferd.
Erst im Erwachsenenalter lebte sie in einer Stadt, als sie nach Gothenburg ging. Zur Zeit lebt sie in Katrineholm.
"Nettan" muss erst noch begreifen, das sie ihr völlig normales und gewöhnliches Leben nun nicht mehr länger leben kann.

Vor kurzem glitt ein finnisches Revolverblättchen, dessen Namen überflüssig sein sollte, in tiefste journalistische Abgründe, als Anettes Hof unerwünscht von Vertretern der Regenbogenpresse belagert wurde.
Die Zeitung veröffentlichte Bilder von Anettes Katzen und Nachbarn. Hoffentlich reichte das um die Absatzzahlen zu steigern...

Anette weiss, das Vergleiche zwischen ihr und ihrer Vorgängerin unvermeidlich sind. Obwohl Nightwish ein gewisses Image über die Jahre pflegten, möchte die neue Sängerin sie selbst bleiben. Denn wieso sollte sie auch jemand anderes sein?
Sie lehnt eine Gewandung die an "Vorhänge" erinnert, ebenso kategorisch ab wie das Tragen von Miniröcken.

"Natürlich kann ich nicht jeden jeden zufriedenstellen und ich versuche es auch erst gar nicht. Aber ich denke das die Band nun manch neue Fans gewinnen wird, die sie vorher vielleicht gar nicht mochten. Viele mögen einfach diese "Opernartigen" Vocals nicht. Hätte die Band eine neue klassische Sängerin genommen, hätte dies wohl in eine Katastrophe geführt, denn Tarja ist verdammt gut in dem was sie tut. Ihr Stil kann nicht kopiert werden und es würde noch nicht einmal Sinn machen das zu versuchen. Der Wechsel ist somit genauso begrüßenswert."

Die neue Sängerin verursacht natürlich auch viele Veränderungen in der Setlist der Band. Nahezu alle Songs benötigen neue Background Tracks die im Sommer eingesungen werden.

Darüberhinaus werden sie auch wieder Songs spielen, die seit Ewigkeiten nicht mehr Verwendung fanden, wie Come Cover Me.
Die Band hat im Übrigen die Schnauze dermaßen voll von "Over the hills and far away" das man zumindest diesen Song nicht mehr hören wird.
Ebenso wie das Opernlastige "Phantom of the Opera".
Das Problem bei "Kuolema Tekee Taiteilijan" ist die Sprachbarriere.
Aber Anette kann immerhin schon ein wenig finnisch.

Wie man richtig vermuten könnte, sind die ersten Worte die man ihr beibrachte Schimpfworte. Dann kennt sie noch "mansikka" (Erdbeere), welches ihr ahnungslos von Tero Kinnunen beigebracht wurde...und das macht es höchstwahrscheinlich ebenfalls zum Schimpfwort. Die wichtigste Sache die sie auf Finnisch sagen kann ist "Anteeksi, olen ruotsalainen." ("Entschuldigung, ich bin Schwedin." oder auch "Entschuldigung das ich Schwedin bin".)

Die Sängerin versteht ein paar Wörter wenn sie den finnischen Bandmembern bei ihren Unterhaltungen zuhört und lernt jeden Tag mehr.
Anette glaubt, das wenn die Jungs ihr die finnische Aussprache beibringen, sie eines Tages vielleicht wirklich Kuolema singen kann.
Anette vergleicht es beispielsweise mit dem Singen in Italienisch.

"Jeder Sänger kann in verschiedenen Sprachen singen. Weil Musik selbst eine Sprache ist, kann alles erlernt werden!"

Die Zeit des Lernens hat auch für die Anhänger der Band aus Kitee begonnen. Die neue Sängerin ist ein gewaltiger Schritt in eine unbekannte Zukunft, aber eine Sache ist sicher: Die Reise der Band geht mit raumgreifenden Schritten weiter und die Zeit des Opera-Metal sind vorrüber.

added by Oceanborn on 11.06.07article also available in:  | printer friendly version

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